Langenscheidts Unterrichtsbriefe: Lateinisch (Brief 1 und 2)

Hier nun die ersten Seiten der beiden ersten Briefe der Langenscheidtschen Unterrichtsbriefe für Lateinisch. Ich werde nach und nach die beiden Briefe komplett digitalisieren.

Interessant bei dem zweiten Brief ist die Schreibweise des Textes: Zum einen als „normaler“ lateinischer Text und dann in „konstruierter Form“. Für die lateinische Sprache lag aber kein Leserost dabei, was durch die „konstruierte Form“ hier auch nicht sinnvoll wäre.

Lateinisch-1-Brief-1

Brief 1 mit Vorwort

Lateinisch-2-Brief-1

Brief 2 mit ersten Texten

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Langenscheidts Unterrichtsbriefe: Lateinisch (Titelblatt)

Zu jeder Unterrichtsreihe gibt es ein Titelblatt, welches in der Regel vorne auf der Stapel der Unterrichtsbriefe im Karton lag. Auf dem Titelblatt zu meinen lateinischen Unterrichtsbriefen wird angegeben, dass es sich um die 18. Auflage handelt. Durch einen Eintrag der Staatsbibliothek zu Berlin (vgl. SPK-digital.de, 16. Auflage der Briefe von 1932) würde ich schätzen, dass die Briefe hier zwischen 1934 und 1935 erschienen.

Dies würde auch das veränderte Firmenzeichen begründen: Im Vergleich zu dem Logo auf meinen niederländischen Sprachlernbriefen (nach 1915) fehlen die Beschriftungen (Frankreich, England und Deutschland) auf den Armbändern der drei Hände über der Weltkugel.

Auch interessant sind die einzelnen Angaben zum Markennamen-Schutz in verschiedenen Ländern.

Lateinisch-Titelblatt-1

Erste Seite

Lateinisch-Titelblatt-2

Zweite Seite mit Angabe der Auflgage, sowie dem Firmenzeichen während der NS-Zeit

Lateinisch-Titelblatt-3

Dritte Seite mit Hinweisen zum Patentschutz in anderen Ländern

Langenscheidts Unterrichtsbriefe: Lateinisch (18. Auflage)

Guten Tag,

ich habe nun für nur 3.50 € die Unterrichtsbriefe für Lateinisch gekauft. Leider sind nicht alle Briefe vorhanden – es fehlen drei, vier Stück. Zusätzlich sind lediglich die Beilagen I und V vorhanden.

Trotzdem werde ich hier nach und nach interessante Seiten, Briefe und Prospekte veröffentlichen, bzw. digitalisieren. Natürlich können Sie mich kontaktieren und ich werde Ihnen einzelne Briefe kostenlos einscannen und zusenden.

Nun zuerst der Deckel des 1. und 2. Kurses:

Lateinisch-Deckel-1

Deckel mit Firmensymbol „Ohn‘ Fleiß kein Preis“

Lateinisch-Deckel-2

Rand des Deckels

Lateinisch-Deckel-3

Linke Innenseite Deckels mit Übersicht über die Unterrichtsreihen

Lateinisch-Deckel-4

Rechte Innenseite mit Übersicht über die Wörterbücher

Kurze Geschichte der Methode Toussaint-Langenscheidt

Kurze Geschichte der Methode Toussaint-Langenscheidt
1856 veröffentlichte der Berliner Gustav Langenscheidt (1832-1895, vgl. de.wikipedia.org) zusammen mit dem Franzosen Charles Toussaint (1813-1877, vgl. de.wikipedia.org) die Unterrichtsbriefe zur Erlernung der französischen Sprache. Damit legten sie den Grundstein für den, uns allen bekannten, Langenscheidt-Verlag. Nach und nach veröffentlicht der Verlger Langenscheidt in Zusammenarbeit mit anderen Sprachlehrern und -wissenschaftlern, weitere Sprachlernbriefe zum Selbstunterricht. Im Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung von ca. 1914 begründen sie den Selbstunterricht wie folgt:

Der Kampf ums Dasein, der heute härter ist als je zuvor, fordert in allen Stellungen und Berufen von uns umfassende Sprachkenntnisse. Das grammatische Wissen, das viele von der Schule mitbringen, kann im praktischen Leben wenig nützen. Hier wird ein sicheres Können und die Fähigkeit, die fremde Sprache richtig und gut anzuwenden, verlangt. Zu dieser Vollkommenheit führt aber weder das Studium einer Grammatik, noch Stunden bei einem Privatlehrer. Auch der Aufenthalt im fremden Land hat ohne gründliche Vorkenntnisse fast nie den gewünschten Erfolg. So bleibt nur noch der Selbstunterricht, und auch dieser ist zwecklos, wenn er nicht nach einem guten, praktischen System betrieben wird. Ein solches fehlte, bis Professor Gustav Langenscheidt zusammen mit Professor Charles Toussaint die Unterrichtsbriefe nach der Methode Toussaint-Langenscheidt herausgab, eine Erfindung von ähnlich kultureller Bedeutung wie die der Dampfmaschine oder der Elektrizität… (aus „Die Methode Toussaint-Langenscheidt – Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung“, c1914/18, S. 5)

Auch wenn die Beschreibung vielleicht etwas übertrieben ist, genossen die Briefe große Beliebtheit: Vor der Methode Toussaint-Langenscheidt gab es schon einige andere Unterrichtsmethoden (vgl. de.wikipedia.org), aber keine andere hat sich so bewährt, wie die Langenscheidts. Das frühere blau-rote Design (meiner Meinung nach deutlich schöner…) wurde 1956 durch das blaue „L“ auf gelben Grund ersetzt. Das „L“ bestand wiederum schon seit 1882, als das bekannte Logo mit der Weltkugel und dem Schriftzug „Ohn‘ Fleiß kein Preis“ eingeführt wurde. Im vergangenen Herbst hat der Langenscheidt-Verlag nun erneut eine Desing-Änderung vorgenommen – das „L“ blieb erhalten…

Titelblatt des ersten Sprachlernbriefes Niederländisch

Titelblatt des ersten Sprachlernbriefes Niederländisch


Die Unterrichtsbriefe wurden ständig erweitert – das Konzept wurde erst Ende der 1950er Jahre aufgegeben, und durch Kursbücher abgelöst. Bis zuletzt erschienen 14 Unterrichtsbriefe, oder auch Sprachlernbriefe:
Englisch (van Dalen, Lloyd und Langenscheidt)
Französisch (Toussaint und Langenscheidt)
Altgriechisch (Tegge)
Italienisch (Sabersky und Sacerdote)
Lateinisch (Willing)
Niederländisch (Bierhout und Altena)
Polnisch (Krasnowolki und Jakob)
Rumänisch (Ghite Pop und Weigand)
Russisch (Garbell, Blattner, Körner Marnitz und Verwow)
Schwedisch (Jonas, Ebbe Tuneld und Morén)
Spanisch (Gräfenberg und Don Antonio Paz y Mélia)
Ungarisch (Balassa und Palóczy)
Hebräisch (Willing)
Portugiesisch (Luise Ey.)
Später erscheinen auch Unterrichtsbriefe zum Deutschlernen.

Das Prinzip der Sprachlernbriefe war einfach: Man abonnierte die Briefe und erhielt dann wöchentlich oder monatlich einen Brief, mit einem Text und verschiedenen Aufgaben zum Textverständnis und zur Grammatik. Somit brachte man sich ohne Lehrer die Sprache bei. Nach den, in der Regel, 36 Briefen erhielt man ein Diplon, eine Bescheinigung zum erfolgreichen Bestehen des Unterrichts. Die Briefe einzeln (im Handel auf Bestellung) kosteten eine Mark (4-5 €*, vgl. de.wikipedia.org). Der Unterricht bestand aus 2 Kursen mit je 18 Briefen und 36 Lektionen -je Brief zwei Lektionen, je Lektion ein Text. Die Texte waren in der Regel fortlaufend über mehrere Lektionen. Die Lösungen zu den Aufgaben der einen Lektion befanden sich in der darauffolgenden. Jeder Kurs kostete einzeln im Schuber („in Karton und Decke“) 18 Mark (70-80 €*) – die beiden Kurse zusammen in zwei Schubern 27 Mark (100-120 €*). Zusätzlich zu den Briefen gab es Beilagen, welche zum Beispiel die Geschichte oder die Besonderheiten der jeweiligen Sprache behandelten.
Langenscheidts Taschenwörterbücher
Die Langenscheidtschen Taschenwörterbücher waren schon früher beliebt und praktisch:

Langenscheidts Taschenwörterbücher sind in jeder Beziehung mit allen Vorzügen ausgestattet, welche die moderne Lexikographie aufzuweisen hat. Sie genügen ihrem Umfang als Taschenwörterbücher entsprechend den weitestgehenden Anforderungen. Wer für die Reise, für die Konversation, in der Schule oder im täglichen Leben ein bequem zu handhabendes Wörterbuch braucht, kann nichts geeigneteres wählen, als Langenscheidts Taschenwörterbücher mit Angabe der Aussprache nach dem phonetischen System der Methode Toussaint-Langenscheidt. (Katalog c1914/18)

Die Taschenwörterbücher boten einen umfassenden Wortschatz von, in der Regel, 50.000 Stichwörtern auf 1000 Seiten, sowie Aussprachebezeichnungen und grammatikalische Ergänzungen. Bis ca. 1916 sind folgende Taschenwörterbücher erschienen oder in Vorbereitung: Böhmisch, Bulgarisch, Dänisch-Norwegisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Japanisch, Katalanisch, Lateinisch, Neugriechisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch, Ungarisch, Francais-Anglaise, Francais-Espagnol, Francais-Italien, Greek-English, Hebrew-English, Latin-English (vgl. Katalog c1914/18). Damit waren und sind die Taschenbücher eigentlich die Grundlage des Verlages: Noch immer werden sie für Beruf und Unterricht verwendet – in allen Varianten.

Auf dieser Website werde ich nach und nach Interessantes über die Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung und die Methode Toussaint-Langenscheidt veröffentlichen. Meine bisherigen Veröffentlichungen (Digitalisierungen, Scans und Aufsätze) können Sie hier aufrufen.
(M. Graver)

* Die Preise sind grob berechnet (Faktor 4.50 € – Stand zwischen 1913 und 1915)

Symbol1 (web)

Das „Leserost“

Hier ein Scan des „Leserosts“ der Methhode Toussaint-Langenscheidt (vgl. de.wikipedia.org). In den ersten Briefen der Sprachlernbriefe wurde diese Schablone zum abdecken einzelner Zeilen benutzt. So kann man, zum Beispiel, die Lautschrift und die deutsche Übersetzung im ersten Sprachlernbrief Niederländisch (Scan: migraver.wordpress.com) verdecken und den Text frei (ohne Lautschrift) lesen und Übersetzen.

Das orange Leserost (Scan) lag dem ersten Kurs bei (in „Karton und Decke“ / Schuber). Dem ersten Brief lag zusätzlich (beim „Probeabo“, s. Scan migraver.wordpress.com) eine Vorlage zum Ausschneiden dabei (Scan folgt).

Das "Leserost" der Methode Toussaint-Langenscheidt

Das „Leserost“ der Methode Toussaint-Langenscheidt

Langenscheidts Sprachlernbriefe Niederländisch – Lektion 2

Zu Beginn der zweiten Lektion des ersten niederländischen Sprachlernbriefes wird der erste Ausschnitt der Geschichte „Een groot man en een goed man“ von François Haverschmidt (in den Niederlanden eher als Piet Paaltjens bekannt (vgl. nl.wikipedia.org)), in niederländisch und mit deutscher Übersetzung wieder gegeben. Es folgen ein paar Aufgaben, welche ich aber erst später digitalisieren werde.

Sprachlernbrief Niederländisch – Lektion 2 / Text:
pdf (682.7 kB)

Een groot man en een goed man,
door Haverschmidt.
Ergens in de wijde wereld ligt eene stad en in die stad woonden vóór eenige jaren twee menschen. Natuurlijk woonden er nog veel meer menschen in die stad; maar, behalve al de anderen, woonden er ook die twee. Ze woonden allebei in hetzelfde huis, maar de een woonde in het bovenste gedeelte en de ander woonde beneden. Hij, die beneden woonde, had verreweg het kleinste part van het huis; want hij gebruikte niets dan een kelder, die naast het bordes van den bovenbewoner, zijn huisheer, op de straat uitkwam en die hem niet alleen tot kelder, maar ook tot slaapkamer, keuken, huisvertrek, werkplaats, magazijn en wikel diende. De drie overige verdiepingen van het huis waren geheel en al in gebruik bij den eigenaar, maar deze was ook een heel ander mensch dan de man in den kelder. Die was maar een klein schoenmakertje, en hij was een groot man.

Ein großer Mann und ein guter Mann.
Von Haverschmidt.
Irgendwo in der weiten welt liegt eine Stadt, un in dieser Stadt wohnten vor einigen Jahren zwei Menschen. Natürlich wohnten in der Stadt noch viel mehr Menschen; aber, außer all den andern, wohnten dort auch diese zwei.
Sie wohnten beide in demselben Hause, aber der eine wohnten im oberen Teil und der andere wohnte unten. Der untere Bewohner hatte bei weitem den kleinsten Teil des Hauses inne; denn er gebrauchte nichts als einen Keller, der neben der AUßentreppe des obern Bewohners, seines Hausherrn, auf die Straße ging und der ihm nicht nur zum Keller sondern auch zum Schlafzimmer, zur Küche, zum Wohnzimmer, zur Werkstatt, zum Warenlager und Laden diente. Die übrigen drei Stockwerke des Hauses dienten samt und sonders dem Eigentümer zur Wohnung, aber der war auch ein gan andrer Mensch als der Mann im Keller. Dieser war nur ein Schusterchen, und er war ein großer Mann.