Der Kraftfahrer im Verkehr (1950)

Zufällig habe ich ein kleines Heft auf dem Flohmarkt um die Nikolai-Kirche in Göttingen (jeden Samstag) entdeckt, und natürlich auch gleich mitgenommen!

Der Kraftfahrer im Verkehr, ein kleines 32-seitiges Informationsheft vom Tellus-Verlag (Essen) aus dem Jahre 1950. Der Tellus-Verlag veröffentlichte überwiegend kleine Hefte (die Tellus-Lesebögen – Digitalisierungen folgen noch), welche im verwüsteten Nachkriegsdeutschland als Informationsquellen für die Schüler dienten. Nachdem alle rassistisch-angehauchten Schulbücher von den Alliierten gesammelt und meist vernichtet wurden, hieß es in der Schule: „Kauft den und den Bogen…“ oder „Nehmt den und den Bogen aus dem Ordner“. Diese Wachsenden-Bücher waren dann für nicht wenige Schülerinnen und Schüler ihre größten Schätze, da sie mit der Erdkunde-Reihe fremde Erdteile entdecken, mit der Geschichts-Reihe in vergangene Zeiten reisen, und in den klassischen Lesebögen interessante Geschichten lesen konnten. Nach Jahrgängen sortiert, waren diese Bögen noch bis in die 60er-Jahre gebräuchlich – und heute leider nur noch (sehr selten) im Antiquariat zu finden.

Dieses kleine Heft wurde nicht nur für die Jugend veröffentlicht, sondern überwiegend auch als generelles Informationsheft für das Armaturenbrett der schönen alten Autos. Es informiert mit vielen Bildern über die wichtigsten Regel der Straßenverkehrsordnung und ist noch heute ein schöne, (meist) aktuelle und nützliche Unterhaltung.

Viel Spaß mit der PDF-Datei:
Tellus-Verkehrsheft-PDF-link

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Taufbüchlein für Helene Haase

Alle folgenden Bilder öffnen sich groß und lesbar, wenn Sie sie anklicken!

Taufbuechlein-Einbang

Gestern habe ich zufällig im Antiquariat dieses kleine Taufbüchlein von 1892 entdeckt und auch gleich für 5 € gekauft, um es nun hier zu veröffentlichen. Hoffentlich hilft es nochmal irgendjemandem bei der Ahnenforschung…

Henriette Eleonore Helene Haase wurde am 6. Februar 1892 um 2 Uhr nachmittags in Kosen (?) (Schützstr. 28b) geboren und wurde am Ostersonntag den 17. April 1892 in der Kirche zum Graben in Kosen geboren.

Stammbaum

Ihre Taufpaten waren:
Frau Mathilde Fröhlich (einzige Schwester der Großmutter mütterlicher Seite)
Frau Agnes Jacob (einzige Schwester des Großvaters mütterlicher Seite)
Herr Theodor Fischer (ihr lieber Großvater)
Der Pastor war Lehn (?)

Helene hatte mindestens zwei Geschwister:
Erich Haase (30. Mai 1886)
Dorothea Haasr (6. März 1889)

Zudem ist vermerkt, dass Helene am 26. Juni 1892 den ersten Zahn bekommen hat.

Dieses kleine Tauf-Büchlein (9.8cm x 13.6cm) hat Helene von ihrer Großtante Agnes Jacob als Andenken bekommen. Agnes Jacob ist eine geborene Fischer in hat die Widmung für das Büchlein in Breslau geschrieben. In dem Büchlein lag auch eine kleine (Visiten-)Karte von Agnes Jacob oder der Mutter von Helene aus Coblenz, wo sie aber als Namen Agnes Haase, geb. Fischer angegeben hat.

Konfirmationsschein-1864
Zusätzlich lag in dem Taufbüchlein ein Erinnerungsblatt an die Konfirmation von Louis Ernst Heinrich Haase (geb. am 2. Nov 1850 o. 1864), welcher am 9. Okt 1864 in der evangelischen Kirche in Teterow (?) vom Pastor Lüders (?) konfirmiert wurde.

Ich bitte um Ihre Hilfe beim Lesen einzelner Wörter, da ich doch noch nicht gut genug für solche Handschriften bin (bitte einfach einen Kommentar schreiben). Danke!

Taufbuechlein-1

Taufbuechlein-2

Taufbuechlein-3

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Taufbuechlein-5

Taufbuechlein-6

Kleine Karte von Agnes Haase

Kleine Karte von Agnes Haase

Wenn Sie das kleine Büchlein irgendwie für Ihre Ahnenforschung brauchen oder Sie mit Helene verwand sind, können Sie mir natürlich eine Mail schreiben. Ich kann Ihnen das Büchlein auch zusenden.

Klein-Erna – Alle Geschichten

„Die grausig-dummen Geschichten von Klein-Erna, Klein-Bubi und Familie kursieren schon so lange in Hamburg und den umliegenden Dörfern – es soll schon ergraute Männer geben, die sie aus ihrer frühesten Jugend kennen -, dass es an der Zeit war, sie einmal zu sammeln und mit lebenswahren Bildern zu versehen.“ Vorwort zur Erstausgabe.

Die Klein-Erna-Geschichten kursieren wirklich schon seit Ewigkeiten in Hamburg und Umgebung, und seit dem Vera Möller 1938 ihren ersten Band der „grausig-dummen Geschichten von Klein-Erna, Klein-Bubi und Familie“ veröffentlichte, verbreiteten sich die Geschichten so stark, dass sie schon 1940 den zweiten Band, die Neue Folge veröffentlichen konnte, welche im „ganzen Reich“ Leser und Freunde fand.

Nach dem Krieg mischte sie Geschichten aus der Erstausgabe und der Neuen Folge und ersetzte einzelne Geschichten durch andere, fügte noch einen dritten Band hinzu. „Wer seine Klein-Erna-Bändchen im Laufe dder letzten Jahre verloren hat, kann sie nun wieder zur Hand nehmen“ (Vorwort Band 1).

1959 trägt sie einen weiteren Band zusammen, den vierten, und veröffentlicht alle zusammen: „Eins, zwei, drei und vier in Tüte“. Zum Schluss veröffentlicht sie 1964 den „fümften“ Band, wieder in Tüte…

All die kleine Bändchen erschienen im Hans Christians Verlag, welcher sich bis heute am Leben hielt, leider jedoch nicht mehr mit unseren schönen „grausig-dummen Geschichten“…

Wir werden nach und nach viele Geschichten digitalisieren und hier sortiert veröffentlichen, damit Sie sich auch weiterhin an ihnen erfreuen können.

Die Liste aller Geschichten finden Sie natürlich als PDF (1.2 MB) hier.

Viel Spaß also mit diesen fantastisch-dummen Geschichten!
M. Graver

Die Bände
Wie gesagt: Es gab zuerst nur die Erstausgabe von 1938 (A1). Fast alle Geschichten waren hier mit farbigen Zeichnungen gestaltet. Dann brachte Möller 1939/1940 die Neue Folge, wieder mit farbigen Zeichnungen und nur neuen Geschichten heraus.

1950 folgte der Dritte Band. Dabei wurden die Geschichten aus der Erstausgabe un der Neuen Folge neu gemischt und mit weiteren neuen Geschichten auf drei Bände aufgeteilt. Diese kamen zusammen in einem Schuber heraus.

1959 hat Möller dann die Reihe um einen Vierten Band erweitert. Dieser enthielt nur neue Geschichten und kam auch wieder mit den drei vorherigen in einem Schuber heraus.

1964 kam dann der letzte „alte“ Band, der Fünfte Band in einem Schuber mit den vier anderen heraus. Wie schon der vierte, enthielt auch der letzte Band nur neue Geschichten, sodass es einige wenige Geschichten gibt, die bisher nur in der Erstausgabe und der Neuen Folge erschienen (z.B. „Im Bilderladen“, „Fantasie“, „Heringe“, etc.)

All die kleinen Bände sind in etwa gleich groß (4.1cm x 12.9cm) und enthalten viele, interessante und schöne Zeichnungen von Vera Möller.

Erstausgabe (1938)

Erstausgabe (1938)

Neue Folge (1939/1940)

Neue Folge (1939/1940)

Band 1 (1950)

Band 1 (1950)

Band 2 (1950)

Band 2 (1950)

Band 3 (1950)

Band 3 (1950)

Band 4 (1959)

Band 4 (1959)

Band 5 (1964)

Band 5 (1964)

Langenscheidts Unterrichtsbriefe: Lateinisch (Brief 1 und 2)

Hier nun die ersten Seiten der beiden ersten Briefe der Langenscheidtschen Unterrichtsbriefe für Lateinisch. Ich werde nach und nach die beiden Briefe komplett digitalisieren.

Interessant bei dem zweiten Brief ist die Schreibweise des Textes: Zum einen als „normaler“ lateinischer Text und dann in „konstruierter Form“. Für die lateinische Sprache lag aber kein Leserost dabei, was durch die „konstruierte Form“ hier auch nicht sinnvoll wäre.

Lateinisch-1-Brief-1

Brief 1 mit Vorwort

Lateinisch-2-Brief-1

Brief 2 mit ersten Texten

Langenscheidts Unterrichtsbriefe: Lateinisch (Titelblatt)

Zu jeder Unterrichtsreihe gibt es ein Titelblatt, welches in der Regel vorne auf der Stapel der Unterrichtsbriefe im Karton lag. Auf dem Titelblatt zu meinen lateinischen Unterrichtsbriefen wird angegeben, dass es sich um die 18. Auflage handelt. Durch einen Eintrag der Staatsbibliothek zu Berlin (vgl. SPK-digital.de, 16. Auflage der Briefe von 1932) würde ich schätzen, dass die Briefe hier zwischen 1934 und 1935 erschienen.

Dies würde auch das veränderte Firmenzeichen begründen: Im Vergleich zu dem Logo auf meinen niederländischen Sprachlernbriefen (nach 1915) fehlen die Beschriftungen (Frankreich, England und Deutschland) auf den Armbändern der drei Hände über der Weltkugel.

Auch interessant sind die einzelnen Angaben zum Markennamen-Schutz in verschiedenen Ländern.

Lateinisch-Titelblatt-1

Erste Seite

Lateinisch-Titelblatt-2

Zweite Seite mit Angabe der Auflgage, sowie dem Firmenzeichen während der NS-Zeit

Lateinisch-Titelblatt-3

Dritte Seite mit Hinweisen zum Patentschutz in anderen Ländern

Langenscheidts Unterrichtsbriefe: Lateinisch (18. Auflage)

Guten Tag,

ich habe nun für nur 3.50 € die Unterrichtsbriefe für Lateinisch gekauft. Leider sind nicht alle Briefe vorhanden – es fehlen drei, vier Stück. Zusätzlich sind lediglich die Beilagen I und V vorhanden.

Trotzdem werde ich hier nach und nach interessante Seiten, Briefe und Prospekte veröffentlichen, bzw. digitalisieren. Natürlich können Sie mich kontaktieren und ich werde Ihnen einzelne Briefe kostenlos einscannen und zusenden.

Nun zuerst der Deckel des 1. und 2. Kurses:

Lateinisch-Deckel-1

Deckel mit Firmensymbol „Ohn‘ Fleiß kein Preis“

Lateinisch-Deckel-2

Rand des Deckels

Lateinisch-Deckel-3

Linke Innenseite Deckels mit Übersicht über die Unterrichtsreihen

Lateinisch-Deckel-4

Rechte Innenseite mit Übersicht über die Wörterbücher

Verzeichnis der wichtigsten Werke der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung (ca. 1933)

Guten Tag.
Hier das vollständige Verzeichnis der „wichtigsten Werke der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung“. Zusammengefasst aus dem Anhang des Niederländischen Taschenwörterbuches aus dem Jahre 1930.
Die Liste ist vollständig, die Beschreibungen in der PDF-Datei werde ich aber noch weiter ergänzen und aktuelle Preise (Umrechnung) angeben.
Viel Vergnügen wünscht M. Graver.


Verzeichnis:

  1. Sprachunterrichtsbriefe Methode Toussaint-Langenscheidt
    1. Große Originalausgabe in 36 Briefen
    2. Der kleine Toussaint-Langenscheidt in 10 Briefen
    3. Toussaint-Langenscheidt-Aufbaukurse für Lernlustige
  2. Lehrbücher
    1. Langenscheidts praktische Schullehrbücher
    2. Langenscheidts Kurz-Lehrbücher
  3. Lektüren
    1. Langenscheidts fremdsprachliche Lektüre
    2. Langenscheidts Neue Lesehefte
  4. Langenscheidts Wörterbücher
    1. Langenscheidts Enzyclopädisches Wörterbuch
    2. Langenscheidts Taschenwörterbücher
    3. Langenscheidts Universal-Wörterbücher
    4. Langenscheidts Miniatur-Wörterbücher
    5. Langenscheidts Handelswörterbuch
    6. Langenscheidts Kaufmännisches Handwörterbuch
  5. Reiseführer und -wörterbücher
    1. Langenscheidts Reise-Dolmetscher
    2. Metoula-Sprachführer
    3. Handbücherei für Auslandskunde
  6. Verschiedene Werke
    1. Handbücher der Handelskorrespondenz
    2. Langenscheidts Musterbriefe
    3. Langenscheidts Konversationsbücher
    4. Ausführliches grammatisch-orthographisches Nachschlagebuch der deutschen Sprache
    5. Langenscheidts Sprachführer für den Sportsmann
    6. Langenscheidtsche Bibliothek
    7. Sprachkunde (monatl. Zeitschrift)
    8. Neue Rechtskunde

Aus dem Anhang des Taschenwörterbuches Niederländisch mit einem Anhang von 1930

Verzeichnis mit Beschreibung, Angaben der einzelnen Sprachen und Preisangabe von 1933 (mit Umrechnung): PDF-Datei (Stand 10. Jan. 2015)

Langenscheidts encyklopädische Wörterbücher

Wörterbuch
Aus dem Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung (zwischen 1914 und 1918):
Wer im Studium der Unterrichtsbriefe nach der Methode Toussaint-Langenscheidt bereits vorgeschritten ist oder sich besonders mit der Lektüre fremdsprachlicher Zeitungen und Bücher beschäftigt, kann auf die Dauer eines guten praktischen Wörterbuches nicht entraten. Denn das mühevolle Nachschlagen und suchen in früheren Lektionen, um einen Ausdruck oder die Aussprache eines Wortes zu finden, erfordert unnötig viel Zeit und Geduld.
Durch den Gebrauch eines Lexikons kann man sich die Arbeit wesentlich erleichtern, weil man an dessen Hand alles Wissenswerte fast mühelos findet. Für die englische und für die französische Sprache kommen in erster Linie zwei WErke in Betracht, die weltbekannten Wörterbücher von „Muret-Sanders“ und „Sachs-Villatte“, die von der gesamten Kritik als ein „Triumpg der Lexikographie“ und die „Krone aller Wörterbücher“ beteichnet wurden. Für die Benutzer der Unterrichtsbriefe nach der Methode Toussaint-Langenscheidt besitzen die beiden Wörterbücher insofern einen großen Vorteil, als sie mit diesem in der Aussprachebezeichnung übereinstimmen. Jedem anderen aber wird die Aussprachebezeichnung eine wertvolle Hilfe beim Sprachstudium sein.
Die beiden Wörterbücher sind diejenigen Nachschlagewerke, die wirklich auf der Höfe der Zeit stehen und bei jedem einzelnen Wort angeben: 1. Aussprache, 2. Groß- und Kleinschreibung, 3. Konjugation und Deklination, 4. Stellung der Adjektive, 5. Etymologie. Jedes der beiden Werke hat zwei Ausgaben: eine große Ausgabe und eine Hand- und Schulausgabe.
Von den vielen Tausend Urteilen, die über diese Wörterbücher gefällt worden sind, können hier nur einige angeführt werden:
Oberrealschullehrer ALtperter in Saarbrücken: „Ich teile Ihnen das Urteil meiner Kollegen, die Neusprachler sind, mit. Es lautet einstimmig dahin, daß sowohl das englische als auch das französische Wörterbuch das Beste ist, was existiert.“
Professor Dr. Nesse vom Kgl. Realgymnasium in Zittau sagt am Schlusse eines langen Briefes: „Ich balte die Hand- und Schulausgabe der Wörterbücher von Sachs-Villatte für das Französische und Muret-Sanders für das Englische für die beste und gediegenste Leistung auf dem Gebiet der Lexikographie.“

(Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung, zwischen 1914 und 1918)

Über die Wörterbücher Aus dem Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung (c1914/18)

Über die Wörterbücher
Aus dem Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung (c1914/18)

Langenscheidt – Anzeige (c1895)

Hier eine kleine Anzeige für die Sprachlernbriefe und die Methode Toussaint-Langenscheidt (vgl. migraver.wordpress.com) aus dem ersten Band von Langenscheidts Notwörtebüchern Englisch-Deutsch (c1895, Scan folgt).

Selbstunterricht in modernen Sprachen!
Lerne Sprachen nach der Original-Methode Toussaint-Langenscheidt
Sicherer Erfolg ohne Vorkenntnisse
Probebriefe in jeder Buchhandlung
Prospekte sendet gratis
Langenscheidt-Verlag
(Prof. G. Langenscheidt) Berlin S.W. 40

Anzeige für die Methode Toussaint-Langenscheidt (c1895)

Anzeige für die Methode Toussaint-Langenscheidt (c1895)

Kurze Geschichte der Methode Toussaint-Langenscheidt

Kurze Geschichte der Methode Toussaint-Langenscheidt
1856 veröffentlichte der Berliner Gustav Langenscheidt (1832-1895, vgl. de.wikipedia.org) zusammen mit dem Franzosen Charles Toussaint (1813-1877, vgl. de.wikipedia.org) die Unterrichtsbriefe zur Erlernung der französischen Sprache. Damit legten sie den Grundstein für den, uns allen bekannten, Langenscheidt-Verlag. Nach und nach veröffentlicht der Verlger Langenscheidt in Zusammenarbeit mit anderen Sprachlehrern und -wissenschaftlern, weitere Sprachlernbriefe zum Selbstunterricht. Im Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung von ca. 1914 begründen sie den Selbstunterricht wie folgt:

Der Kampf ums Dasein, der heute härter ist als je zuvor, fordert in allen Stellungen und Berufen von uns umfassende Sprachkenntnisse. Das grammatische Wissen, das viele von der Schule mitbringen, kann im praktischen Leben wenig nützen. Hier wird ein sicheres Können und die Fähigkeit, die fremde Sprache richtig und gut anzuwenden, verlangt. Zu dieser Vollkommenheit führt aber weder das Studium einer Grammatik, noch Stunden bei einem Privatlehrer. Auch der Aufenthalt im fremden Land hat ohne gründliche Vorkenntnisse fast nie den gewünschten Erfolg. So bleibt nur noch der Selbstunterricht, und auch dieser ist zwecklos, wenn er nicht nach einem guten, praktischen System betrieben wird. Ein solches fehlte, bis Professor Gustav Langenscheidt zusammen mit Professor Charles Toussaint die Unterrichtsbriefe nach der Methode Toussaint-Langenscheidt herausgab, eine Erfindung von ähnlich kultureller Bedeutung wie die der Dampfmaschine oder der Elektrizität… (aus „Die Methode Toussaint-Langenscheidt – Katalog der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung“, c1914/18, S. 5)

Auch wenn die Beschreibung vielleicht etwas übertrieben ist, genossen die Briefe große Beliebtheit: Vor der Methode Toussaint-Langenscheidt gab es schon einige andere Unterrichtsmethoden (vgl. de.wikipedia.org), aber keine andere hat sich so bewährt, wie die Langenscheidts. Das frühere blau-rote Design (meiner Meinung nach deutlich schöner…) wurde 1956 durch das blaue „L“ auf gelben Grund ersetzt. Das „L“ bestand wiederum schon seit 1882, als das bekannte Logo mit der Weltkugel und dem Schriftzug „Ohn‘ Fleiß kein Preis“ eingeführt wurde. Im vergangenen Herbst hat der Langenscheidt-Verlag nun erneut eine Desing-Änderung vorgenommen – das „L“ blieb erhalten…

Titelblatt des ersten Sprachlernbriefes Niederländisch

Titelblatt des ersten Sprachlernbriefes Niederländisch


Die Unterrichtsbriefe wurden ständig erweitert – das Konzept wurde erst Ende der 1950er Jahre aufgegeben, und durch Kursbücher abgelöst. Bis zuletzt erschienen 14 Unterrichtsbriefe, oder auch Sprachlernbriefe:
Englisch (van Dalen, Lloyd und Langenscheidt)
Französisch (Toussaint und Langenscheidt)
Altgriechisch (Tegge)
Italienisch (Sabersky und Sacerdote)
Lateinisch (Willing)
Niederländisch (Bierhout und Altena)
Polnisch (Krasnowolki und Jakob)
Rumänisch (Ghite Pop und Weigand)
Russisch (Garbell, Blattner, Körner Marnitz und Verwow)
Schwedisch (Jonas, Ebbe Tuneld und Morén)
Spanisch (Gräfenberg und Don Antonio Paz y Mélia)
Ungarisch (Balassa und Palóczy)
Hebräisch (Willing)
Portugiesisch (Luise Ey.)
Später erscheinen auch Unterrichtsbriefe zum Deutschlernen.

Das Prinzip der Sprachlernbriefe war einfach: Man abonnierte die Briefe und erhielt dann wöchentlich oder monatlich einen Brief, mit einem Text und verschiedenen Aufgaben zum Textverständnis und zur Grammatik. Somit brachte man sich ohne Lehrer die Sprache bei. Nach den, in der Regel, 36 Briefen erhielt man ein Diplon, eine Bescheinigung zum erfolgreichen Bestehen des Unterrichts. Die Briefe einzeln (im Handel auf Bestellung) kosteten eine Mark (4-5 €*, vgl. de.wikipedia.org). Der Unterricht bestand aus 2 Kursen mit je 18 Briefen und 36 Lektionen -je Brief zwei Lektionen, je Lektion ein Text. Die Texte waren in der Regel fortlaufend über mehrere Lektionen. Die Lösungen zu den Aufgaben der einen Lektion befanden sich in der darauffolgenden. Jeder Kurs kostete einzeln im Schuber („in Karton und Decke“) 18 Mark (70-80 €*) – die beiden Kurse zusammen in zwei Schubern 27 Mark (100-120 €*). Zusätzlich zu den Briefen gab es Beilagen, welche zum Beispiel die Geschichte oder die Besonderheiten der jeweiligen Sprache behandelten.
Langenscheidts Taschenwörterbücher
Die Langenscheidtschen Taschenwörterbücher waren schon früher beliebt und praktisch:

Langenscheidts Taschenwörterbücher sind in jeder Beziehung mit allen Vorzügen ausgestattet, welche die moderne Lexikographie aufzuweisen hat. Sie genügen ihrem Umfang als Taschenwörterbücher entsprechend den weitestgehenden Anforderungen. Wer für die Reise, für die Konversation, in der Schule oder im täglichen Leben ein bequem zu handhabendes Wörterbuch braucht, kann nichts geeigneteres wählen, als Langenscheidts Taschenwörterbücher mit Angabe der Aussprache nach dem phonetischen System der Methode Toussaint-Langenscheidt. (Katalog c1914/18)

Die Taschenwörterbücher boten einen umfassenden Wortschatz von, in der Regel, 50.000 Stichwörtern auf 1000 Seiten, sowie Aussprachebezeichnungen und grammatikalische Ergänzungen. Bis ca. 1916 sind folgende Taschenwörterbücher erschienen oder in Vorbereitung: Böhmisch, Bulgarisch, Dänisch-Norwegisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Japanisch, Katalanisch, Lateinisch, Neugriechisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch, Ungarisch, Francais-Anglaise, Francais-Espagnol, Francais-Italien, Greek-English, Hebrew-English, Latin-English (vgl. Katalog c1914/18). Damit waren und sind die Taschenbücher eigentlich die Grundlage des Verlages: Noch immer werden sie für Beruf und Unterricht verwendet – in allen Varianten.

Auf dieser Website werde ich nach und nach Interessantes über die Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung und die Methode Toussaint-Langenscheidt veröffentlichen. Meine bisherigen Veröffentlichungen (Digitalisierungen, Scans und Aufsätze) können Sie hier aufrufen.
(M. Graver)

* Die Preise sind grob berechnet (Faktor 4.50 € – Stand zwischen 1913 und 1915)

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