Schüler nichtarischer Abstammung an höheren und mittleren Schulen.

Digitalisierung aus dem Amtlichen Schulblatt für den Regierungsbezirk Hildesheim. No. 11, 1. Juni 1933


8. Schüler nichtarischer Abstammung an höheren und mittleren Schulen.
U II G Nr. 969. U II C. 1.
Berlin W. 8, den 8. Mai 1933

Wie ich erfahre, sind einzelne Leiter höheren Lehranstalten bereits dazu übergegangen, Schüler nichtarischer Abstamung, und zum Teil auch Angehörige ausländlischer Staaten vom Besuch der höheren Lehranstalt auszuschließen. Ein solches Vorgehen ist nicht zulässig. Es sind vielmehr die näheren Ausführungsbestimmungen des Reichsministers des Inneren zu dem Gesetze gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933 (RGBl. S 225) und meine alsdann eingehenden Anordnungen abzuwarten. Ich ersuche zu veranlassen, daß danach zu Unrecht etwa bereits von der Teilnahme am Unterricht ausgeschlossene Schüler(-innen) unverzüglich wieder zugelassen werden.

Lediglich hinsichtlich der erst mit dem Beginn des Schuljahres 1933 in die Schulen erstmalig neu eingetretenen bzw. fortan erstmalig zur Anmeldung kommenden Schüler(-innen) ist auf Grund von § 4 des Gesetzes in Verbindung mit den §§ 8 und 11 der Ersten Durchführungsverordnung defür Sorge zu tragen, daß die Zahl der Reichsdeutschen, die im Sinne des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 (RGBl. S 175) nichtarischer Abstammung sind und bei denen die Voraussetzungen von § 4 Abs. 3 des Gesetzes vom 25. April 1933 nicht erfüllt sind, die vorgeschriebene Anteilszahl von 1,5 v. H. Der Gesamtzahl der Besucher der Schule nicht übersteigt. Hiernach etwa zuviel aufgenommene Schüler(-innen) nichtarischer Abstammung sind vom weiteren Besuche der höheren Lehranstalt unverzüglich auszuschließen. Nun bei solchen höheren Lehranstalten, die ihrer besonderen Zweckbestimmung nach gerade für den Besuch durch jüdische Schüler(-innen) bestimmt sind, ist von einer Ausschließung Abstand zu nehmen.

Angehörige ausländischer Staaten zählen ohne Rücksicht aus ihre Abstammung nicht zu den Schülern nichtarischer Abstammung. Sie sind auch bei der Feststellung der Gesamtzahl, nach der sich die Anteilszahl von 1,5 v. H. Errechnet, außer Ansatz zu lassen.

Dieser Erlaß findet auf Mittelschulen entsprechende Anwendung.

Der Erlaß wird im Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen veröffentlicht.

Der Preußische Minister
für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.

II B 2 Nr. 297

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